Es gibt keine spezifische Gesetzgebung zum sozialen Unternehmertum in Deutschland, nicht einmal eine formale Definition.

Aufgrund der Traditionen und ihrer außergewöhnlichen Bedeutung betrifft ein großer Teil des politischen Diskurses und des Rechtsrahmens den traditionellen “dritten Sektor“. Die Bundesregierung unterstützt und fördert Social Entrepreneurship. In Bezug auf die Erbringung von Sozialdienstleistungen sind kleine Organisationen – Sozialunternehmen neuen Stils – bislang nur ein Randphänomen und es wird allgemein angenommen, dass ihr Marktanteil in absehbarer Zukunft klein bleiben wird. Sie sind in Kommunen sichtbar, in denen der traditionelle Ansatz zur Erbringung sozialer Dienstleistungen nicht finanzierbar ist oder kein professionelles Personal zur Verfügung steht (z. B. Betreuung von Kindern und älteren Menschen in entvölkerten ländlichen Gebieten) (Göler von Ravensburg 2013). Diese Märkte wurden – anders als in anderen Mitgliedstaaten – immer von nicht-öffentlichen Akteuren dominiert: den mehr oder weniger unternehmerischen Wohlfahrtsorganisationen oder vollunternehmerischen gewinnorientierten Anbietern.

Dennoch liegt die Weiterentwicklung von Social-Entrepreneuren im Fokus der Bundesregierung. Dazu zählt die Förderung von Vereinen, Stiftungen, Freiwilligenarbeit, Wohltätigkeitsorganisationen, Wohlfahrtsverbände, Hospizaktivitäten, Nachbarschaftsinitiativen, Kulturprojekte und Selbsthilfegruppen.

Ziele sind:

  • Verbesserung der Rahmenbedingungen für Sozialunternehmen, einschließlich: bessere Einbindung von Sozialunternehmen und anderen Akteuren des relevanten Ökosystems (Venture Philanthropy Funds, internationale Geberorganisationen) in den politischen Dialog über soziale Innovation und Engagement; eine Überprüfung der Bedingungen für Risikokapitalinvestitionen in gemeinnützige Unternehmen; die Möglichkeiten für spezifische Wettbewerbe und Preise für soziale Unternehmen erkunden, um das Bewusstsein dafür zu schärfen; Soziale Unternehmen als separate Zielgruppenkategorien in öffentliche Förderprogramme aufzunehmen.
  • Öffentliche Stellen / Organisationen für soziale Innovation sensibilisieren und auf sie reagieren, indem sie die notwendigen Foren für den Austausch schaffen; Gründung des BMFSFJ als Hauptanlaufstelle für soziale Innovatoren; Unterstützung von Initiativen zur Festlegung gemeinsamer Standards für die Messung und Meldung von Auswirkungen; Förderung der Zusammenarbeit zwischen Sozialunternehmen, anderen Unternehmen, Kammern, Verbänden, sozialen Einrichtungen und öffentlichen Akteuren auf verschiedenen regionalen Ebenen (Bundesregierung 2010).

Finanzielle Unterstützung für die Gründung und den Betrieb von traditionellen und neuartigen Sozialunternehmen auf Bundesebene wird über die nationale Entwicklungsbank KfW bereitgestellt, und auch aus den EU-Strukturfonds stehen Mittel zur Verfügung.

Die Bundesregierung engagiert sich auch für die Förderung verschiedener Formen von Freiwilligenarbeit, die möglicherweise eng mit sozialem Unternehmertum verbunden sind. Das BMFSFJ führt seit 1999 alle fünf Jahre eine groß angelegte Freiwilligensurvey durch, um detaillierte Statistiken über das bürgerschaftliche Engagement der Bevölkerung zu sammeln.

Obwohl der Schwerpunkt der Politik auf “klassischen” Themen des sozialen Unternehmertums ausgerichtet ist – Arbeitsintegration, soziale Integration, Bereitstellung von sozialen Dienstleistungen, die nicht von traditionellen Akteuren erbracht werden – werden auch Initiativen in den Bereichen Kultur oder Ökologie gefördert. So unterstützt das Ministerium für Umwelt in Nordrhein-Westfalen das bürgerschaftliche Engagement für den Schutz der Umwelt, zu dem auch sozialunternehmerische Ansätze gehören können. Erfolgreiche Beispiele für soziales Unternehmertum in Deutschland sind:

Tengelmann Social Ventures

Die Tengelmann Social Ventures GmbH ist ein Social Impact Investor, der sich auf die Finanzierung von Sozialunternehmen und die Unterstützung von Social Entrepreneurs konzentriert. Ihr Schwerpunkt liegt auf Internet-Start-ups und E-Commerce, und einige ihrer aktuellen Unternehmen sind Dot.Hiv und Coffee Circle.

Die Tengelmann Social Ventures GmbH hat es sich zum Ziel gesetzt, Sozialunternehmen zu finanzieren – gewinnorientierte Modelle, die soziale Ziele verfolgen – und Sozialunternehmern beratend zur Seite zu stehen. Der Schwerpunkt dieses Engagements liegt auf jungen Unternehmen, die einen “sozialen Einfluss” erzeugen, d. H. Einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben. Das zentrale Thema wird sein: “Social Impact First – Financial Impact Second”.


Ruby Cup

Ruby Cup ist ein soziales Unternehmen mit Sitz in Berlin und Kenia. Es produziert und verkauft den menstrualen Ruby Cup, hergestellt aus 100% medizinischem Silikon. Ruby Cup ist bis zu 10 Jahre lang wiederverwendbar, das spart etwa 12 000 Tampons pro Frau. Das Unternehmen arbeitet nach dem Prinzip “Buy one, give one”. Jeder in Industrieländern gekaufte Rubin-Pokal subventioniert den Preis eines Rubin-Pokals für ein Mädchen in Afrika. Im Jahr 2014 wurde ein Ruby Cup an 5.000 Mädchen in Kenia verteilt


BonVenture

BonVenture finanziert Sozialunternehmen in deutschsprachigen Social Venture Capital. BonVenture selbst ist als Social Business strukturiert.

BonVenture war im deutschsprachigen Raum die erste Investmentgesellschaft, die diesen Ansatz gewählt hat und seit 2003 Investoren die Möglichkeit bietet, solche Aktivitäten zu unterstützen. Sie trägt mit Know-how und Kontakten zum Kapital bei, unterstützt sie beim Aufbau und Wachstum ihrer Organisation und fördert so die Entwicklung und Verbreitung innovativer Ideen. Die Investitionen beginnen bei 300.000 EUR.


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